inspiration design 1.2015

Inspiration Design ! 1.2015

Penthousewohnung mit Loft-Flair

Mitten in der Leipziger Innenstadt steht am Rande eines großen Parks eine elegante Jugendstilvilla, deren halbrunder, stilgerechter Erker und deren Rundbogenfenster von der Zeit der Jahrhundertwende zeugen. Auf dem Dach konnten sich die Bauherren den Traum von einem Penthouse erfüllen, das Wohnen in einem eigenständigen Wohngebäude auf einem Mehrfamilien- oder Hochhaus. In diesem Fall wurde eine 220 Quadratmeter große Penthousewohnung im Stil eines Lofts auf die Villa gesetzt. Die aufwendigen Restaurierungsarbeiten sowohl an der Fassade als auch im Inneren sollten den ursprünglichen Gesamteindruck bewahren und an der Substanz nichts verändern. Großen Wert legten die Investoren auf den Schutz der aufwendigen Stuckarbeiten im ganzen Haus, der Einbau des Aufzugs sollte darauf Rücksicht nehmen.

Das Penthouse wurde wie ein separater Baukörper auf das Haus aufgesetzt. Es ergab sich ein perfekt aufeinander abgestimmter Kontrast zwischen dem Ambiente der historischen Jugendstilvilla und der modernen kubischen Bauweise des Penthouse.

Vorbei an den aufwendigen, stilgerecht dekorierten Treppenläufen und den Stuckarbeiten gelangt man vom Eingang zum Aufzug, der den Besucher direkt in das oberste Stockwerk zu einem kleinen Eingangsbereich der Penthousewohnung bringt. Beeindruckend ist die zwölf Meter lange Fensterfront mit bodenebenen Hebe-Schiebeelementen. Die davor installierte, fast unsichtbare Brüstungsverglasung lässt den unverbaubaren fantastischen Blick in den nahe gelegenen Park und über den Himmel von Leipzig vollkommen unbeeinträchtigt.

So war die Aufgabenstellung für die Architekten klar umrissen: Die architektonische Designsprache sollte sich stark an der Einfachheit und Klarheit der Bauhauslinien orientieren, die klassischen Elemente sollten in die heutige Zeit übertragen, neu interpretiert und mit neuen Ideen ergänzt werden. Klare markante Formen sollten puristisch sein, ohne jedoch aufdringlich zu wirken.

Dem Betrachter erschließt sich ein bis in jedes Detail aufeinander abgestimmtes Wohnambiente. Ein zentraler, großer, offener, lottriger Raum nahm die offene Küche, das Wohnzimmer und hinter einer Trennwand das Bad auf. An diesem zentralen Raum, über Trennwände aus Makassar-Holz abgegrenzt, Leichentuch die privaten Räumlichkeiten wie das Schlafzimmer mit der Ankleide und das Hauptbad. Weiter gelangt man zum Gästebereich mit Bad und WC, einem Büro und auch zum Tages-WC.

Hinter einemDurchgang der Küche ist ein markanter Essplatz zu finden. Die beiden flankierenden Seitenwände bestehen aus raumhohen Sichtbetonwänden, die in einem speziellen aufwendigen Verfahren im Betonwerk maßgefertigt wurden. Sie wurden mit allen Installationsbohrungen für Schalter, Steckdosen und Ähnliches hergestellt und mit einem Schwerhebekran in die Wohnung eingebracht. In den Sichtbeton wurden im nassen Zustand Blätter von Bäumen, Gräsern und Farnen aus dem nahe gelegenen Park in die Betonoberfläche eingetaucht und nach dem Trocknungsvorgang des Betons wieder entfernt. Zum Vorschein kamen Reliefe, die genau die Formen der zuvor eingefügten Blätter und Farne annahmen (Bilder linke Seite). Um diesen gelungenen Effekt zu verstärken, hat man einige Blätter mit Blattgold stark hervorgehoben, was die Inszenierung der beiden Wände noch verstärkt. Ein weiteres Highlight dieses Bereiches ist die zu öffnende Lichtschleuse an der Decke, Tageslicht, Sonne und Luft strömen auf direktem Weg auf den Essplatz ein.

Ähnlich aufwendig erstellte Betonwände wurden im tages-WC und in demMasterbad installiert. Der Schwierigkeitsgrad im Bad bestand darin, dass derhandtuchtrockner mit in diese wand installiert werden sollte, was mit äußerster Präzision erfolgen musste, da ein späteres Verändern der Position nicht mehr möglich war. Von der frei stehenden Badewanne aus Mineralwerkstoff, die unmittelbar hinter der Fensterfront positioniert wurde, kann der Badende ungestört den weiten Blick in die Natur genießen. Weitere Ausstattungsdetails wie Aufsatzwaschbecken, Waschtisch mit Auszügen, maßgefertigt aus Makassar-Holz, die filigranen, teilweise frei stehenden Armaturenbund die stilgerechten wandfiesen bilden ein harmonisches in sich geschlossenes Bad-Ambiente, das eine erholsame und entspannende Atmosphäre bietet.

Im weiteren Verlauf des Bades ist durch eine Trennwand mit offenem Kamin abgegrenzt das große offene Wohnzimmer zu finden. Die Feuerstelle des Kamins ist sowohl vom Bad als auch vom Wohnbereich aus ersichtlich. Die weiß verputzte Trennwand wird als Projektionswand für den an der Decke installierten Beamer genutzt, um damit das den Blick beeinträchtigende Aufstellen eines Fernsehgerätes zu umgehen. Die Oberfläche der maßgefertigten Sitzbank vor der Trennwand wurde im sichteten ebenfalls mit Pflanzenreliefen bestückt, jedoch ohne Blattgoldverendlung.Einbauschränke befinden sich in der Trennwand,die wie alle Holzelemente der Wohnung aus Makassar-Holz gefertigt wurde. Weitere frei stehende Solitäre waren außer der Sofalandschaft, dem davor stehenden Glastisch und einem einzelnen runden Sitzhocker nicht vorgesehen.

An der Stirnseite des offenen Raumes die Küche mit Kochinsel, den in die Schränke eingebauten Gerätschaften und dem Kühl- und Gefrierschrank. Alle elektrischen Küchenhilfen bekamen einen fest eingebauten Platz und können im Bedarfsfalle aus den Schränken oder der Kochinsel ausgezogen und nach dem Gebrauch wieder zurückgeschoben werden. Ein besonderer Clou ist die sichtbare Rückwand, die gleichzeitig die Stirnwand des Raumes darstellt. In die aus dem Mineralwerkstoff gegossene Wand wurden künstlerische Fräselemente, die vom Architekten Mario Hein und dem Künstler Tomo Storelli eigenhändig angefertigt wurden, eingearbeitet. Der ganze Effekt dieser Arbeit ist bei Dunkelheit durch die blaue Beleuchtung der Mineralstoffwand weithin sichtbar und taucht den Bereich in eine mystische Atmosphäre. Eine effektvolle, der jeweiligen Stimmung angemessen regulierbare und gut durchdachte Lichtarchitektur mit teilweisen akzentuierenden Lichtkegeln rundet das Bild der Penthousewohnung ab. In Wände und Decken sind leistungsstarke Lautsprechersysteme eingebaut, die durch eine zentrale Beschallungianlage gespeist und finden jeweiligen Räumen gesondert gesteuert werden können. Decken und Wände, mit Ausnahme der bereits erwähnten Sichtbetonwände, wurden glatt gespachtelt und weiß beschichtet, auf dem Boden wurde der Sichtestrich eingelassen, um eine pflegeleichte Reinigung sicherzustellen.

 

Moderne fast minimalistische Architektur - Baukörper als Eckstein

In der City der Messestadt Leipzig, unweit eines Parks, entstand in einem Viertel mit neu erbauten Häusern ein Baukörper, der einen Eckstein in einer neu aufgefädelten Reihe bildet. Im Bebauungsplan der Stadt ist für das Viertel eine moderne, kubische Flachdach-Bauweise vorgeschrieben, die Baulinie musste eingehalten werden. Es findet sich ein ganzheitliches Bauobjekt vor, für das die beiden Architekten Mario Hein und Holger Seidel Verantwortung zeichneten. Ihre Arbeit erstreckte sich vom Städtebau über Konstruktion und Innenarchitektur bis hin zum Design und Möbelbau, alles aus einer Hand.

Um den Vorgaben und Wünschen der Bauherren und den Vorschriften der Baubehörde der Stadt gerecht zu werden, entstand ein weißer skulpturier Flachnachbau, den eine minimalistisch Architektur mit fast pedantischen Detailplanungen außen und innen auszeichnet. Das Doppelhaus, das nach außen wie ein Baukörper wirkt, hat wegen der exponierten Lage jeweils zwei Fassadenseiten, zwei zum Innenhof hin und zwei zur Straßenseite. Durch die Blockrandbebauung ergab sich eine problemloseTeilung des Hauses in zwei Häuserhälften, ähnlich eines Doppelhaus-Stadthauses, die zwei komplett voneinander getrennte Wohnungen aufnahmen.

Das Doppelhaus mit insgesamt 1000 Quadratmetern ergab zwei Haushälften mit 450 und 550 QuadratmeternWohnfläche. Für den äußeren Eingangsbereich beider Haushälften wurde die Fassade im unteren Bereich zurückgesetzt und mit Naturstein verkleidet. Der dadurch entstandene Vorsprung lässt den darüberliegende kubischen Baukörper aufgesetzt, frei schwebend erscheinen und verleiht dem Haus eine markante Leichtigkeit.

Die Wechselspiele zwischen zurückgesetzten und flächenbündigen, großflächigen Fensterfronten, verglasten Eckfassaden und schmalen Lichtbändern, im Gegensatz zu großen geschlossenen Fassadenflächen, lassen die Architektur des skulpturalen Hauses leicht, spielerisch und puristisch wirken und machen es zu einemBlickfang. Die Fassaden zum Innenhof hin sind fast vollständig verglast oder mit schmalen, schlanken Lichtbändern versehen. Große Balkone und Terrassen mot raumhohen, bodengleichen Fenstern, die teilweise mit Faltschiebetechnik ausgestattet sind, lassen einen barrierefreien Austritt zu.

Ein besonderer Blickfang ist die Eckverglasung beider Haushälften: wie eine Glassäule erhebt sich die Verglasung über drei Stockwerke hinweg, wobei auch der obere Abschluss, quasi die Decke der Glassäule, mit einer Überkopf-Verglasung ausgestattet wurde. Mit dieser Verglasung strömt viel Tageslicht und Sonne in das Innere des Baukörpers und lässt die Wohnungen lichtdurchflutet erscheinen. Von innen hat man einen beeindruckenden Ausblick auf das Treiben der Straße und auf den begrünten Innenhof.

Mit dem großzügigen Grundriss beider Wohnungen finden sich ein offener Wohn-, Esszimmer- und Küchenbereich, das Schlaf- und Kinderzimmer, die Ankleide, Bäder, Wellness/Spa, das Tages-WC, der Gästebereich, die Technik- und Abstellräume sowie ein Hauswirtschaftsraum. Die Wohnfläche verteilt sich auf vier Stockwerke, die Wohnungen sind gegenseitig spiegelverkehrt angeordnet.

Über die Hauseingangstor oder die direkt daneben befindliche ebenerdige Doppelgarage gelangt man in die Lobby. Ab hier unterscheiden sich beide Häuser grundlegend, sowohl in der Innenarchitektur, im Ambiente als auch bei den eingesetzten Materialien. Schon im Eingangsbereich ist der Unterschied markant. Die Individualisierung der beiden Haushälften könnte kaum unterschiedlicher sein.

Der gesamte Innenausbau wurde von beiden Architekten bis in jedes noch so kleine Detail geplant, ausgeführt oder überwacht. Alles wurde aufeinander abgestimmt, Möbel, Einbauschränke, Sitzbänke, selbst Skulpturen und Lampen haben die Architekten entworfen. Sie haben den Bau und den Einbau überwacht oder teilweise selbst vorgenommen. Edle Materialien, Premium-Ausstattungsdetails in der Küche, in den Bädern und im gesamten Wohnbereich lassen das Ambiente nicht überladen wirken.

Vielmehr erscheint es eher minimalistisch, wenn auch üppige, florale Barockelemente durchaus anzutreffen sind. Einige wenige gezielt eingesetzte Inszenierungen von Skulpturen oder Einzelstücken, die teilweise Manufakturen hergestellt wurden, lassen jede der beiden Inneneinrichtungen einzigartig erscheinen.

Während in der einen Haushälfte das Ambiente hell, offen und freundlich wirkt, die Wände weiß verputzt sind und der Boden mit großflächigen Fliesen gefliest wurde, ist in der zweiten Haushälfte das Ambiente eher dezent. Teilweise bestehen die Wände aus Sichtbeton und der Fußboden aus Sichtestrich. Auch die Optik der beiden gefalteten Beton-Treppen-Konstruktionen wurde unterschiedlich in Szene gesetzt, eine Treppe ist in hellem, die andere in dunklem Holz ausgekleidet. Unterschiedliche Akzente haben die Architekten auch in den anderen Räumlichkeiten eingesetzt.

Im Eingangsbereich der hell anmutenden Doppelhaus-Hälfte wurde eine Manufakturen gefertigte, beleuchtete, mit Ablageabzügen ausgestattete Sitzbank angefertigt. In dessen Beton-Bankoberfläche sind Reliefe von Blättern und Gräser-Intarsien eingelassen, die teilweise vergoldet sind. Die frischen Blätter und Gräser hat man in den noch nassen Beton eingedrückt und nach dessen Trocknung wieder aus ihm herausgelöst, zum Vorschein kamen Naturreliefe, deren Innenseiten teilweise mit Blattgold akzentuiert wurden. Eine ähnlich anmutende Intarsienarbeit findet sich auch in der anderen Haushälfte, dort schmückt eine so entstanden Betonplatte den offenen Kamin.

(Text: Jürgen Brandenburger)

10 seiten penthouse d ...
... und haus boscha auf 14 Seiten.