inspiration design 1.2011

Inspiration Design !, Ausgabe 1.2011 

 Design & Kunst in der Architektur

Jugendstilvilla

Alles passt zusammen in diesem stimmigen Designkonzept, modern, individuell und anspruchsvoll.

Die Handschrift des Architekten zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Haus, die klare Design- und Formsprache lässt jeden Raum anders erscheinen und vermittelt trotzdem Ruhe und Geborgenheit.

Man schreibt das Jahr 1900, Jahrhundertwende, das 20. Jahrhundert bricht an. In Paris ist Weltausstellung und revolutionäre Erfindungen wie der Dieselmotor, der Tonfilm und die Rolltreppe werden präsentiert. Die Metro (U-Bahn) in Paris wird eröffnet, im damaligen Deutschen Reich treten das erste Deutsche Bürgerliche Gesetzbuch sowie das Handelsgesetzbuch in Kraft. Just in diesem Jahr entsteht in Leipzig ein grosszügiger Jugendstilbau – die Prellervilla. Die ehemaligen Bauherren, ein Fabrikantenehepaar, erbauen diese Augenweide der damaligen Baukunst mit all den zu dieser Zeit möglichen luxuriösen Annehmlichkeiten im Innen- und im Außenbereich.

Kontrastreiche Optik, extravagante ausgeklügelte, stilechte und effektvolle Beleuchtung, die jeder Stimmungslage gerecht wird, zeichnet das neue Raumkonzept der Jugendstilvilla aus. 2,60 Meter hohe Räume, freiräumliche Wohngestaltung lassen Platz zum Atmen und geben Gestaltungsmöglichkeiten. Ausgesuchte und aufeinander abgestimmte Möbel und Wohnaccessoires schaffen ein behagliches und wohnliches Ambiente. Bis auf die Küche ist sind die Wände und Holzbalkendecken weiss beschichtet, die Küche in dunklen grau gehalten und wiederum die Möbel in reinem weis.

Im Erdgeschoss ist das Gesamtkonzept der Raumgestaltung ist auf starke Kontraste aufgebaut, ohne dass es überzogen wirkt. Erhaltenswertes wurde erhalten, so zum Beispiel der Holzdielenboden und die Türen, die sehr aufwendig saniert, restauriert und teilweise erneuert wurde.

Auf beiden Stockwerken ist die indische Raumaufteilung jedoch ein komplett anderes Interieur, das zu sehr unterschiedlichem Ambiente führt, es gibt praktisch nur ein gemeinsames Detail, das gleich ist: Der Kamin. Markant groß, so können bis zu 50 cm große Holzscheide verbrannt werden, der Kamin ist mit Schamottsteinen ausgekleidet, sodass die Hitze des Feuers nicht einfach „verpufft", sondern nachhaltig abstrahlen kann und somit einem Kachelofen nachempfunden ist. Bemerkenswert ist die Beleuchtung im Holzstapel neben dem Kamin, dort ist eine bewegliche Lampe untergebracht, die sich je nach Füllmenge nach oben oder unter Verschieben lässt.

Im Laufe der Jahre wechseln die Besitzer mitsamt ihrer Ansprüche und das Gebäude wird so einigen Veränderungen unterzogen. Bis im Jahre 2009 das Anwesen von zwei Brüdern mit einer insgesamt achtköpfigen Großfamilie erworben wird. Ihr Wunsch ist es, das Haus vom Kern her zu sanieren, die Baufehler vergangener Jahre wieder zu beseitigen und den Ursprungszustand soweit als möglich wieder herzustellen. Erhaltenswertes soll rekonstruiert und saniert werden, ohne auf eine moderne Raumaufteilung mit den heutigen Gegebenheiten zu verzichten. Eine Symbiose aus Alt und Neu wird angestrebt und umgesetzt.

Das denkmalgeschützte Haus liegt auf einem insgesamt 1750 Quadratmeter großen Anwesen, einem parkähnlichen Garten, in dem die alten Bäume der Erstbepflanzung auf die über einhundertjährige Geschichte des Anwesens hinweisen. Die Villa besteht aus zwei Wohnetagen, die jeweils von einem der beiden Bauherren mit Familie bewohnt werden. Die 220 Quadratmeter Wohnfläche jeder Etage teilen sich in acht Zimmer, ein Masterbad, ein Gästebad mit WC sowie eine grosszügige Küche auf. Im ausgebauten Dachgeschoss werden im Rahmen einer aufwendigen Sanierung die historischen Gaupen unter der 45°-Satteldachneigung wiederhergestellt. Um Licht und Sonne einzufangen, kommen großflächige Dachflächenfenster zum Einsatz. Der vom Erdgeschoss aus hochreichende Anbau wird ebenfalls originalgetreu restauriert und sein Dach zur 15 Quadratmeter großen Terrasse für die Dachgeschosswohnung umgebaut. Der Grundriss des Hauses wird den Bedürfnissen der Familien etwas angepasst, einige Zwischenwände werden zugunsten etwas größerer Zimmer entfernt, um eine neue Raumstruktur zu generieren. Alle Fenster und Türen werden unter Berücksichtigung der heutigen energetischen Anforderungen aufwendig und liebevoll restauriert, so auch die Glasscheiben in den meistens zweiflügligen Innentüren. Der fischgrätenförmig verlegte Dielenboden erhält seinen Originalcharakter zurück, Sanierungsfehler der Vorbesitzer, wie der in manchen Räumen verlegte Laminatboden, werden beseitigt. Auch das Treppenhaus wird bis ins kleinste Detail nach historischem Vorbild restauriert.

Um in den einzelnen Zimmern einen spannenden Kontrast zu erzeugen, werden die Holzdecken in einem reinen Weiß lackiert und die Wände in Perlmutt oder hellem Grau abgesetzt. Jeder Bauherr gestaltet seine jeweilige Etage nach seinen Ansprüchen, sodass Räume mit individuellem Ambiente entstehen. Es sind nicht allein die edlen kostbaren Materialien, welche die Villa so besonders machen, wenngleich die Möbel aus Makassar und Palisander, der mit Blattgold beschlagene Deckenspiegel über dem Küchentresen und die luxuriösen Armaturen wahrhaft majestätisch anmuten. Es ist auch die intensive Zusammenarbeit mit Künstlern.

Effektvolle Beleuchtung in der maßgefertigten Küche (2), die sowohl im Abzug über der Kücheninsel als auch in der hinteren Küchenzeile untergebracht wurde. Die Türen (4 + 5) sowie die Türgläser wurden weitestgehend erhalten, beziehungsweise aufwendig saniert.

Das Schlafzimmer (1) ist mit einem Glaselement vom Bad optisch getrennt. Das große Zwei Personen-Waschbecken (5) thront auf einem Waschtisch aus Palisanderholz. Die Chrom-Armaturen wie Regenkopfbrause, Waschtischarmaturen, Schlauchbrause (6) und die filigrane freistehende Armatur (3) hinter der Wanne sowie die vier Stäbe des Warmwasserheizkörpers (3), der auch als Handtuchtrockner genutzt werden kann, wurden sorgfältig aufeinander abgestimmt.

Der Mittelpunkt im Raum ist die freistehende Wanne, mit der vom Architekten entworfenen einzigartigen Lampe (3).

An der Außenseite des Duschplatzes wurde die Wand mit mattschwarz glasierten Feinsteinzeugfliesen (6) belegt, was die exquisite Note des Raumes noch unterstreicht.

Wie schon erwähnt ist im Obergeschoss das gleiche Raumkonzept umgesetzt worden. Jedoch unterscheidet sich die Raumnutzung voneinander. Auf dieser Etage gelangt die Familie von der etwas schlichter gehaltenen Küche des Erdgeschosses in den Essbereich und folgend in den Ärgeranbau, der hier als Fernsehraum genutzt wird. Parallel zum Esszimmer trennt eine zweiflüglige Tür mit aufwendig restauriertem Türglas, dessen innenliegende Ornamente vergoldet sind, ein weiteres Zimmer ab. Auch auf dieser Etage wurde großer Wert auf extravagante, maßgefertigte und angepasste Beleuchtung wert gelegt. Die Decken und Türen wurden weiß lackiert und die Wände in einem lichten grau gestrichen. Der fischgrätenförmig verlegten Dielenholzboden schafft Atmosphäre und Behaglichkeit. Die Küche wurde hier heller gehalten und teilweise mit Palisanderholz, im Bereich der Küchenzeile ausgekleidet. Die ebenso mittig angebrachte Kücheninsel, die mit großen Gasbeflammungen und einem Glaskeramikfeld ausgestattet ist. Die Unterschränke der Insel stehen auf Rollen und lassen sich nach vorne herausziehen, was bei Kochen zusätzliche Ablageflächen bietet.

Im Obergeschoss entstand ein Bad einer vollkommen anderen Stilrichtung. Über dem großen maßgefertigten Waschtisch aus Palisanderholz (9) mit den beiden versenkten Waschbecken und zwei weißen Einhebel-Waschtischarmaturen (9 + 10) hängt der ebenfalls maßgefertigte Spiegel (9). Hinter dem Waschtisch wurde der Duschbereich untergebracht (12), dessen Wände mit Glasmosaikfliesen gefliest sind. Die Dusche ist bodengleich mit Ablaufrinne, Regenkopfbrause, Seiten- und Schlauchbrausen ausgestattet. Ein beleuchtetes Regal aus Glas steht im Duschbereich für alle Utensilien bereit. Direkt gegenüber dem Waschplatz wurde auch hier eine freistehende Wanne (10) mit einer ebenfalls freistehenden Einlaufarmatur mit Schlauchbrause installiert. Eine fotohistorische Lampe wurde speziell für dieses Bad entworfen und über der Wanne angebracht. LED-RGB-Lichtbänder unter dem Waschtisch und der Dusche tauchen das Bad in eine Atmosphäre der Entspannung.

Im Schlafzimmer (11) wurde das Bett mit Konsole nicht an die Wand gestellten, sondern mittig im Raum positioniert, sodass noch genügend Platz zum Eingang in den dahinterstehenden begehbaren Schrank gewährleistet ist.

Als besondern Eyecatcher (14) wurde die Küchenseite zugewandt Wand schiefergrau gestrichen und freihändig mit den Lieblingsrezepten der Familien beschrieben. Ein ebenfalls dort eingebautes Regal schafft zusätzliche Ablagefläsche.

(Text. Jürgen Brandenburger)