bad design 02/2015

bad design - die schönsten bade der welt | 02/2015

Loftig Leicht

Mitten in der Leipziger Innenstadt, auf dem Dach einer Jugenstilvilla, befindet sich dieses 172 Quadratmeter große Penthouse. Die Krönung des offen gestalteten Lofts bildet das Badezimmer: Von hier aus kann man den Blick über die Baumwipfel schweifen lassen und Körper wie auch Geist eine Auszeit gönnen. 

Wie ein separater Baukörper ergänzt das Penthouse die elegante Villa im Jugendstil. So entstand ein aufeinander abgestimmter Kontrast zwischen dem Ambiente der historischen Villa und der modernen kubischen Bauweise des Penthouses über den Dächern Leipzigs.

Im Zentrum des architektonischen Konzepts steht ein großer, offener Raum mit Loftcharakter. Hier gehen Küche, Wohnzimmer sowie das hinter einer Trennwand liegende Bad fließend ineinander über. Wände aus Makasarholz verbergen die privaten Räumlichkeiten der Hausherren wie Schlafzimmer und Hauptbad. Dank eines Spionspiegels kann man vom dahinter liegenden Raum in die Dusche und den Park blicken.

Vom großen Raum aus ist die freistehende Badewanne aus Mineralwerkstoff sichtbar, die vor den raumhohen Schiebeelementen aus Glas positioniert ist. Passend zu diesem offenen Konzept steht auch die Wannenarmatur völlig frei im Zimmer. Während die Bewohner ein wohlig-warmes Bad nehmen, können sie ungestört den weiten Blick in die Natur genießen – mehr Wellness geht kaum.

Direkt hinter der Wanne fällt eine raumhohe Sichtbetonwand ins Auge. Mit viel Fingerspitzengefühl und Berücksichtigung aller Installationsbohrungen für Schalter, Steckdosen und auch den geradlinigen Handtuchwärmer fertigte Designer und Innenarchitekt Mario Hein die Mauer an, die übrigens mit einem Schwerhebekran in die Wohnung gebracht worden ist. In die Oberfläche des noch nassen Betons tauchten er und sein Architektenteam von „Die Kollegen“ die Blätter von Bäumen, Gräsern und Farnen aus dem nahe gelegenen Park ein, die nach dem Trocknen dann wieder entfernt wurden. Zum Vorschein kam das Relief der Blätter und Farne. Um diese gelungene Inszenierung der Wand optisch zu betonen, setzt feines Blattgold auf einzelnen Blätter diese gekonnt in Szene.

Unmittelbar neben der Wanne in einer Nische befindet sich die Dusche. Auch von hier aus kann man durch die bodentiefen Fenster ins Freie schauen. Die inneren Wände der bodenebenen Dusche sind aufwendig gefliest. Ein flächenbündig eingebrachter Spiegel, eine Handbrause und ein markanter, fast quadratischer Duschkopf machen das Duschen zum Erlebnis der Sinne. Vor der Trennwand zur Dusche bilden zwei Einzelwaschtische mit Aufsatzwaschbecken und maßgefertigten Unterschränken das Zentrum der täglichen Körperpflege. Sie bieten dank praktischer Teleskopauszüge ausreichend Platz, um alle Beauty-Utensilien dezent zu verstauen. Für ein größeres Raumempfinden ließen die Bauherrn die Rückwand der Waschtische bis zur Decke hin verspiegeln. Raffiniert: Die Armaturen fügen sich passgenau in den Spiegel ein. Wärme gehört zur Entspannung wie Wasser in einen Swimming Pool. Daher ziert nun eine offene Feuerstelle das Badezimmer. Sie thront auf einer Betonplatte, die mit einem Kunstwerk mit Blattabdrücken versehen ist. Diese wurden sogar eigenhändig von den Architekten im anliegenden Park gesammelt und in den Beton eingelegt. Der Schein der Flammen spiegelt sich wunderschön in der organisch anmutenden Oberfläche, sodass tolle optische Effekte entstehen. Unterstrichen wird dieser Effekt durch verschiedene Beleuchtungsszenarien, die über die zentrale Haustechnik ebenso steuerbar sind wie die Musikanlage des Hauses.

(text: bad design 02/2015)